Kurzberichte

Besteigung des Tambora im August 2015 auf Zollingers Route – 200 Jahre nach der großen Eruption


Aufstieg durch die Trockensavanne, Blick nach Norden auf den Doro Tabeh Naë

Aufstieg durch die Trockensavanne, Blick nach Osten

Ziel der diesjährigen erneuten Expedition zum Tambora war der Aufstieg von der Ostküste der Sanggarhalbinsel über die Ostflanke zum östlichen Calderarand. Hierbei wurde die von Zollinger als Erstbesteiger im Jahr 1847 nach der großen Eruption benutzte Route erstmals seit 1847 verfolgt und erforscht – aufgrund der Länge der zu Fuß zurückzulegenden Strecke, der zum Teil sehr hohen Tagestemperaturen und des im August üblichen Wassermangels in dieser Region eine besondere Herausforderung! Da zudem keine genauen geographischen Koordinaten dieser Aufstiegsroute vorlagen, konnten nur die Be­schrei­bungen und die historische handgezeichnete Karte von Heinrich Zollinger als Orientierungshilfe zugrunde gelegt werden. Beginnend an der Ostküste der Sanggarhalbinsel bis hin zum östlichen Calderarand konnten aber die einzelnen Etappen Zollingers sehr gut nachvollzogen werden. Es war interessant die Übereinstimmungen, aber auch die landschaftlichen Veränderungen im Ver­gleich zum Bericht Zollingers zu untersuchen. Da unser indonesisches Helferteam und wir keiner Standardroute folgten, traten ver­stärkt geländebedingte Schwierigkeiten auf, über die auch Zollinger berichtete. Letztendlich konnten Zollinger als auch wir diese bewältigen.

Wir möchten an dieser Stelle ganz ausdrücklich Heinrich Zollingers Leistung würdigen!

Ein aktueller Vergleich mit Zollingers Beschreibung wird zur Zeit ausgearbeitet.

Nur noch wenige steile Meter bis zum 2346 m hohen östlichen Calderarand!
7. August 2015, Georesearch Volcanedo Germany

Tambora-Caldera im Juli/August 2014

12 Tage Forschung in der Tambora-Caldera – ein neuer Rekord!

Im Juli/August 2014 wurden die Untersuchungen in der Tambora-Caldera fortgesetzt und erweitert. Die Untersuchungungsergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt an anderer Stelle veröffentlicht.
Der Abstieg zum Calderaboden erfolgte wieder über die sehr schwierige und gefährliche Südroute. Außerdem traten verstärkt Erdbeben auf, die auch deutlich mehr Bergstürze zur Folge hatten.


Im Vordergrund eine der festen Messstationen auf dem Calderaboden

Unter hohem Druck entweichende Gase nahe der Nordwand

Hinweis:
Die vom GRV-Team und seinen einheimischen Helfern zwischen 2012 und 2014 erprobte und erforschte Abstiegsroute über die Südflanke zum Calderaboden wurde danach von einigen wenigen Personen erneut genutzt und gilt zur Zeit als einzig möglicher Abstieg über die Süd­flanke. Eine andere Route, die in der Vergangenheit einmal genutzt worden sein soll, gilt wegen der Abbrüche an der südlichen Calderawand als nicht mehr passierbar. Trotzdem möchten wir ganz ausdrücklich aufgrund der in unseren Kurzberichten angesprochenen Gefahren vor einem Abstieg über die von uns erprobte Route ohne entsprechende Ausrüstung und geländekundige Begleitung warnen.

Tambora-Caldera (Indonesien) im Oktober 2013


Die Tambora-Caldera (Okt. 2013)

Abstieg an der inneren Südflanke

Vulkanforschung unter extremen Bedingungen in der Tambora-Caldera (Indonesien), Kurzbericht über eine Expedition in eine der tiefsten Calderen der Erde

Die Eruption des auf Sumbawa gelegenen Tambora im April 1815 war das größte vulkanische Ereignis seit Beginn der Geschichtsschreibung und ist aufgrund der globalen Klimabeeinflussung bekannt geworden.

Ziel unserer Expedition war der 1815 entstandene vulkanische Einbruchskessel des Tambora, der mit über 1300m Tiefe als die tiefste Caldera der Erde seit dem Jahr 1 n.Chr. gilt. Im Jahr 2012 hatten wir bereits eine vorbereitende Expedition an der südlichen Innenflanke dieses Vulkans durchgeführt.

Im Oktober 2013 gelang es uns nun als erstem deutschen For­schungs­team (GRV) unter der Leitung des Vulkanologen Arne C. in diesen Kessel bis zum Calderaboden vorzudringen, wo nach dem großen Ausbruch 1815 ein von anthropogenen Einflüssen weitgehend unbeeinflusstes Ökosystem entstanden ist (Abstieg über die geo­logisch sehr interessante innere Südflanke von 2430m auf 1340m Höhe).
Dem Team gehörte auch die Geowissenschaftlerin Anke D.-R. an, die als erste Europäerin und weltweit als erste Frau die nahezu un­pas­sierbare innere Südflanke dieses Vulkans bezwang.
Bisher hatten nur in Einzelfällen Personen den Kraterboden erreicht, denn das Gelände ist schwierig, und es müssen extreme Steilabfälle überwunden werden. Zudem konnten diese Personen aufgrund der enormen logistischen Probleme nur relativ kurz auf dem Calderaboden verweilen, sodass genauere wissenschaftliche Untersuchungen daher nicht möglich waren.

Der Einstieg in diese faszinierende Caldera dieses aktiven Strato­vulkans erfolgte mithilfe eines einheimischen Helferteams, einer auf­wendigen Logistik und unter Einsatz von Klettertechnik.
Während des mehrtägigen Aufenthaltes auf dem Calderaboden wur­den Kartierungen durchgeführt (u.a. die erkennbaren Auswirkungen der seit 1815 auf dem Calderaboden stattgefundenen kleineren Erup­tionen), Gesteins- und Wasserproben entnommen, die Gas­emissionen gemessen (Gas- und Temperaturmessungen) sowie die Flora und Fauna dieses Ökosystems untersucht. Mithilfe einer auf dem Caldera­boden aufgebauten Wetterstation wurden zudem während unseres Aufenthaltes durchgehend die Wetterdaten aufgezeichnet.
Neben zahlreichen aufschlussreichen Einzeluntersuchungen waren besonders die relativ hohe Aktivität des kleinen ca. 1880 im südlichen Teil der Caldera entstandenen Vulkankegels Doro Api Toi (starke Fumarolentätigkeit, hohe Temperaturen) und die unter hohem Druck entweichenden Gase an der unteren Nordostwand auffällig.
Trotz diverser Gefahren (Hangrutschungen, Gerölllawinen, Gasemissionen) und erschwerter Arbeitsbedingungen wie z.B. extrem hoher Temperaturen gelang es unserem Team, zahlreiche grundlegende Ergebnisse für die weitere Forschungsarbeit zu erzielen und ein umfangreiches anschauliches Dokumentationsmaterial zu erstellen.
Der Aufenthalt innerhalb der Tambora-Caldera einschließlich der Calderabodenforschung betrug neun Tage und ist bisher einmalig.


Blick vom Calderaboden auf die Nordwand

Vorbereitung von Gasmessungen auf dem Calderaboden an der Südwand

Heftige eruptive Phase des Anak Krakatau am 2. und 3.9.2012


Anak Krakatau, 3.9.2012

Auszüge aus den seismischen Aufzeichnungen dieses Ereignisses (Krakatau-Observatorium)

Am 3.9.2012 konnten wir aus allernächster Nähe die heftigen explosiven Eruptionen des Anak Krakatau beobachten. Es waren die stärksten Eruptionen des Anak Krakatau, die seit 1996 beobachtet wurden (vgl. Monthly Reports der Smithsonian Institution). Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Ausbrüche des Anak Krakatau miterlebt, doch übertraf diese Eruption Anfang September alles von uns bisher in der Krakatau-Caldera Beobachtete. Zwischen 10 Uhr und 16 Uhr fanden ohne Unterbrechung kanonenschussartige Explosionen statt. Die Eruptionssäulen erreichten z.T. eine Höhe von ca. zwei Kilometern. Die Szenerie war umso gewaltiger, da ins Wasser fließende Lavaströme zu einer starken Dampfbildung und auch zu phreatomagmatischen Explosionen mit Aschebildung führten.

Die in den indonesischen Medien verbreiteten Angaben zu diesem Ereignis waren übrigens z.T. ungenau. So wurde die Heftigkeit des Ausbruchs möglicherweise heruntergespielt, um die Bevölkerung an der Westküste Javas, die schon in der Nacht zuvor durch vom Anak Krakatau ausgehende donnerschlagartige Geräusche und Bodenerschütterungen aufgeschreckt worden war, nicht zu beunruhigen. Ein deutliches Vibrieren des Bodens hatten wir in der Nacht vom 2.9. auf den 3.9. in Carita auch gespürt.

Noch am Spätnachmittag des 3. September haben wir als erstes Wissenschaftsteam während dieser eruptiven Phase mit unserem Begleiter Aris und weiteren Helfern Anak Krakatau betreten. Der Vulkan war zu diesem Zeitpunkt in eine eher strombolianische Phase getreten.

Bis zum 6.9.2012 haben wir dann Untersuchungen auf der Vulkaninsel Anak Krakatau durch­geführt und haben uns u.a. am 4.9. den Ursprungsort des nach Südosten geflossenen Lava­stroms in der Gipfelregion genauer angesehen. Der Vulkan war mittlerweile ruhiger geworden, so dass wir einen Aufstieg wagten. Der Aufstieg gestaltete sich z.T. wegen der frischen vulkanischen Asche als durchaus beschwerlich.

Am 5.9. begann gegen 11 Uhr vormittags eine starke Entgasungsphase (von uns etwas unterhalb des eruptiven Zentrums gemessene hohe SO2- und H2S-Werte); diese Entgasung setzte sich bis zu unserer Abfahrt am Vormittag des 6. September fort.

Genauere Auswertungen zu diesem für uns “vulkanischen Highlight” des Jahres 2012 werden zu einem späteren Zeitpunkt an anderer Stelle veröffentlicht.


Anak Krakatau, 3.9.2012

Am neuen Lavastrom auf Anak Krakatau, 4.9.2012 (5.50 Uhr morgens). Der neue Lavastrom ist insgesamt ca. 600 m lang, ins Wasser reicht er ca. 100 m. Das “Kind des Krakatau” ist somit in die Breite gewachsen!

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